Diese Webseite benutzt Cookies. Wenn Sie cysticus.de weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.Mehr Infos Akzeptieren


Zurück zur Hauptseite

Materia Medica

Klassische Homöopathie

Schüssler Salze
Bachblüten


Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Abrotanum, Artemisia abrotanum


Eberraute, Familie der Compositae (Abrot.)


Artemisia abrotanum Die Eberraute ist ein krautiger Halbstrauch, wird bis 1 m hoch und kommt aus dem südlichen Osteuropa, wird aber auch hierzulande gern als Zierpflanze angebaut. Die Herkunft des Namens ist nicht sicher geklärt; im Englischen heißt sie „maiden`s ruin“ (Jungfernverderber), was auf die ihr nachgesagte aphrodisierende Wirkung anspielt. Auch Zauberkräfte wurden ihr nachgesagt, was in der volkstümlichen Bezeichnung Kiss-me-quick-and-go zum Ausdruck kommt; denn wollte man die Liebe eines Mädchens gewinnen, musste man ihr einige Eberrautenzweige unter das Schürzenband stecken. Da diese Liebe aber nur angezaubert war, hielt sie nur kurze Zeit. Weiterhin galt die Eberraute früher als Mittel um Dämonen abzuwehren; legte man sie unter das Kopfkissen war man gefeit vor Anfechtungen, Zauberei und Gespenstern.
Nicholas Culpeper empfahl die Pflanze als Haarwuchsmittel bei Glatzenbildung:
Die Asche der Eberraute wird mit altem Salatöl vermischt und hilft denjenigen, denen das Haar ausgefallen ist und die kahl sind, dass das Haar wieder wächst, entweder auf dem Kopf oder am Bart
In der klassischen Homöopathie ist Abrotanum eines der wichtigsten Mittel bei akutem rheumatischem Fieber.

Abrotanum wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

Nerven, Gefäße, Lymphsystem, Schleimhäute, Magen-Darm-Trakt

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa):
Aufhören oder Unterdrückung von Absonderungen

Hauptanwendungsgebiete von Abrotanum

- Appetitmangel
- Schwäche
- Marasmus (Abmagerung)
- Magersucht
- Flatulenz
- Koliken
- Obstipation (Verstopfung)
- Diarrhoe (Durchfall)
- Peritonitis
- Hämorrhoiden
- Nasenbluten
- Haarausfall
- Lymphknotenschwellungen
- Aszites
- Sekretion aus dem Nabel
- Hämangiom
- Sklerodermie
- Akne rosacea
- Furunkel
- Frostbeulen
- Pruritus (Juckreiz)
- Rheuma
- rheumatisches Fieber
- Gicht
- Hydrocele (Wasserbruch)

Kinder

Beschwerden der Kinder, für die Abrotanum als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Schon das Neugeborene ist mager und kraftlos; der Kopf kippt um, es kann den Kopf nicht aufrecht halten weil der Hals dünn und zu schwach ist. Das Gesicht sich alt aus, Säuglinge sehen aus wie alte Männer. Der Körper ist wirkt ausgezehrt und unterernährt, die Haut ist schlaff und der Nabel ist entzündet, zeigt Geschwürsbildung mit Absonderung von Sekret. Häufig findet man einen Ausschlag um den Nabel herum. Abrotanum Kinder sind abgemagert, besonders der untere Teil des Körpers, reizbar und widerspenstig sowie melancholisch. In der Schule haben sie eine langsame Auffassungsgabe und sondern sich von anderen ab. Sie sind gegenüber Bewegung abgeneigt, obwohl Bewegung allgemein bessert.

Kombinierte Beschwerden

Bei folgenden typischen Kombinationen von Beschwerden kann Abrotanum als Heilmittel infrage kommen:
Verstopfung und Durchfall wechseln sich ab.
Hämorrhoiden und Rheuma wechseln sich ab.
Verschlimmerung der Hämorrhoiden wenn sich das Rheuma bessert.
Hämorrhoiden und Kopfschmerzen treten abwechselnd auf.
Rheumatische Beschwerden und Durchfall treten abwechselnd auf.
Verschlimmerung der Verdauungsbeschwerden während sich das Rheuma bessert.
Mumps der sich von der Parotis zu Brust oder Hoden verlagert.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Abrotanum:

Krankhafte Beschwerden wandern von einem Ort zum anderen bzw. die unterschiedlichen Beschwerden wechseln sich ab. Appetitmangel oder Heißhunger und viel Essen. Marasmus (Abmagerung) besonders der unteren Körperteile bzw. von unten nach oben fortschreitend trotz gutem Appetits, Speisen passieren den Magen-Darm-Trakt unverdaut. Faltiges blasses Gesicht mit vielen Mitessern. Schlechte Laune, gereizt, boshaft. Körperliche Schwäche und Frostigkeit, geistige Trägheit. Depressive abgemagerte Kinder, alt aussehende Säuglinge. Hautausschlag um den Nabel, nässender Nabel der Säuglinge. Hydrocele. Beschwerden der Lymphknoten besonders mesenterial. Rheuma. Gicht. Gelenkschmerzen. Ischias. Akutes rheumatisches Fieber. Schwäche nach Grippe. Beschwerden des Magen-Darm-Traktes mit Auftreibung des Bauches. Peritonitis. Kolikschmerzen. Durchfall im Wechsel mit Verstopfung oder mit Nasenbluten. Gefühl als würde der Magen im Wasser hängen oder schwimmen. Flatulenz Blaurote Flecken der Haut, juckende Frostbeulen, Furunkel. Hämangiome. Hämorrhoiden. Elephantiasis, Sklerodermie. Haarausfall. Abneigung gegen Bewegung, aber Besserung durch Bewegung.

Modalitäten

(=alles was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert)
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, für die Abrotanum als Heilmittel infrage kommt:

Besserung der Beschwerden durch:
Bewegung, Durchfall

Verschlechterung der Beschwerden durch:
Kalte Luft, Nässe, Nebel, nachts, unterdrückte Absonderungen

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Abrotanum-Fall von Dr. Stiegele

Dr. Stiegele berichtet über den Fall eines 5jährigen Mädchens, das ihm im April 1900 vorgestellt wurde. Die Mutter berichtete, dass das Kind seit Dezember an sog. „Bauchwassersucht“ leide. Es hätte Calomelpulver bekommen und Seifeneinreibungen, außerdem sei es in der Kinderklinik zweimal punktiert worden, aber alle Bemühungen hätte keine Besserung gebracht, jetzt solle eine Laparotomie vorgenommen werden. Dem Kind ging es sehr schlecht, es war anämisch, hatte abwechselnd festen und durchfälligen Stuhl, abends Fieber, Gesicht und Glieder waren abgemagert und der Bauch sehr stark aufgetrieben. Stiegele verordnetet 6 Wochen lang Kalk- und Jodsalze, die aber auch keine Besserung brachten. Daraufhin entschied er sich für Abrotanum täglich 10 Kügelchen. Nach zwei Wochen berichtete die Mutter über eine wesentliche Besserung des Befindens, obwohl der Lokalbefund unverändert war. Appetit und Aussehen hatten sich gebessert und der Stuhlgang war regelmäßiger geworden. Das Kind wurde weiterhin beobachtet und ab Anfang Juli begann der Aszites sich deutlich zurückzubilden und im Laufe der nächsten vier Wochen verschwand er völlig und das Kind blieb auch weiterhin gesund.
(Nach Stiegele, AHZ 1932, S. 49.)





Naturheilkunde Forum
Schüssler Salze Test  Bachblüten Test  Heilpilze   Top