Diese Webseite benutzt Cookies. Wenn Sie cysticus.de weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.Mehr Infos Akzeptieren


Zurück zur Hauptseite

Materia Medica

Klassische Homöopathie

Schüssler Salze
Bachblüten


Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Atropa belladonna, Tollkirsche


Belladonna, Tollkirsch Blüte

Tollkirsche, Teufelsbeere, Familie der Solanaceae (Bell.)


Die einheimische Atropa belladonna ist ein in der klassischen Homöopathie sehr häufig verwendetes Arzneimittel. Die Pflanze zählt zu den Nachtschattengewächsen, ist tödlich giftig und wegen dieser Toxizität bis zur Potenz D3 verschreibungspflichtig. Zur Selbstbehandlung sollte Belladonna daher nur in höheren Potenzen wie C12/D12 oder C30 angewendet werden.

Ihr Name bedeutet wörtlich "Schöne Frau", was sich durch ihren Atropingehalt erklärt, der die Pupillen erweitert und schöne glänzende Augen macht. Atropin wird heute noch in der Augenheilkunde zur Pupillenerweiterung benutzt.

Belladonna wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

Kopf, Hals, Blutgefäßen, Zentralnervensystem

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa): Folgebeschwerden durch nasse Haare, Abkühlung des Kopfes oder Sonneneinstrahlung.

Hauptanwendungsgebiete von Belladonna

- akute Entzündungen mit Röte, Schwellung, Hitze, Schmerz
- besonders für die Anfangsphase (wenn Eiterung einsetzt ist Belladonna nicht mehr wirksam) wie Entzündungen von Hals, Atemwegen, Blase, Haut
- Scharlach
- hohes Fieber (oft Folgemittel nach Aconitum)
- Fieberkrämpfe bei Säuglingen und Kleinkindern
- Krupphusten.
- Nachtschreck
- Kopfschmerzen (besonders migräneartige)
- Zahnschmerzen
- Ohrenschmerzen, Mittelohrentzündung
- Gesichtsneuralgien
- Hitzschlag und Sonnenstich
- plötzlich auftretender Schwindel
- Vergiftungen, Bauchkrämpfe durch verdorbene Wurst
- Bauchkoliken, die sich bessern bei Rückwärtsbiegen.

Stimmung/Gemüt

Die Beschwerden begleitend können folgende typische Gemütszustände auftreten: Erregungszustände, Heftigkeit, Angst und Schreckhaftigkeit. Halluzinationen. Kinder beißen, spucken, schlagen und treten oder knirschen mit den Zähnen.

Schmerz

Schmerzen, für die Belladonna als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika: Sie sind sehr heftig, treten anfallsartig auf, treiben zur Verzweiflung, erscheinen plötzlich und verschwinden plötzlich, sind wellenartig, pochend, klopfend, pulsierend oder brennend und schlimmer um ca. 15 Uhr oder in der Nacht. Halsschmerzen erstrecken sich häufig zu den Ohren.

Fieber

Fieber, für das Belladonna als Arznei infrage kommt, hat typischerweise folgende Charakteristika: Das Fieber beginnt häufig mit viel Frieren, dann wechseln sich Frost und Hitze ab; es ist hoch, mit oft hochrotem heißen Kopf und kalten Gliedern. Oft sind die Füße eiskalt, so dass keine Wadenwickel gemacht werden können. Das Fieber ist meist verbunden mit Kopfschmerzen, der Körper strahlt Hitze ab wie ein Ofen oder man hat das Gefühl der Patient "dampft" vor Hitze. Starker Durst. Der Patient ist überempfindlich auf alle äußeren Reize wie Licht, Lärm oder Gerüche. Er ist benommen, sehr unruhig, hat manchmal einen wilden Blick und halluziniert im Schlaf, sieht z. B. Geister oder Gespenster.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Belladonna

Heftigkeit, Plötzlichkeit, große Hitze (dampfend, abstrahlend), Blutandrang, pulsierende Adern, Schwellung, Unruhe. Erregungszustände. Glänzende Augen mit erweiterten Pupillen. Durst. Trockene Schleimhäute. Überempfindliche Sinne. Halluzinationen und Delir. Schmerzen erscheinen und verschwinden sehr plötzlich. Extreme Empfindlichkeit gegen Berührung, Erschütterung, Licht, Geräusche. Empfindungen wie Pochen, Klopfen, Pulsieren, Hämmern. Gelegentlich Verlangen nach Zitrone und Limonade. Die Beschwerden bevorzugen die rechte Seite

Modalitäten

(Dazu zählt alles, was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert);
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, bei denen laut Klassische Homöopathie Belladonna als Heilmittel infrage kommt:
Besserung der Beschwerden durch
Ruhe, halb aufrechte Lage, durch Druck, Beugen nach hinten, dunkles Zimmer.

Verschlechterung der Beschwerden durch
Berührung, Erschütterung, Geräusche, Licht- und Sonneneinwirkung, Hitze, Zugluft, Beugen nach vorn, nach ca. 15 Uhr und nachts.

Sonstiges

Bei akuten Zuständen kann eine häufige Wiederholung von Belladonna nötig sein. Belladonna ist häufig indiziert bei akuten Krankheiten der Kinder, ebenso häufig wie sein Komplementärmittel (Ergänzungsmittel) Aconitum.

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Halsschmerzen - Belladonna Fall aus der Praxis

Frau S. kommt mit ihrem 11jährigen Sohn Leon in die Praxis. Er klagt seit gestern über starke Halsschmerzen. Nachdem er den gestrigen heißen Tag im Freibad verbracht hatte, wachte er plötzlich nachts auf mit Hitzegefühl und starken Halsschmerzen. Sie sind besonders schlimm beim Schlucken und auf der rechten Seite. Bei der Inspektion sieht man einen feuerroten Rachen, die Tonsillen sind vergrößert und dunkelrot. Beläge oder Stippchen sind nicht zu sehen. Auf die Frage nach der Schmerzqualität sagt Leon: "als wenn ein Feuer im Hals ist". Es handelt sich also um einen brennenden Schmerz. Obwohl er großen Durst hat, vermeidet Leon das Trinken, weil das Schlucken so weh täte. Das Kind hat einen roten heißen Kopf und große glänzende Augen mit weiten Pupillen, seine Hände und Füße sind eiskalt; die Temperatur beträgt 39.5° C. Zum Gemütszustand befragt, fällt der Mutter noch auf, dass Leon am liebsten in Ruhe gelassen werden möchte, Berührung sei ihm unangenehm, nicht einmal fernsehen möchte er, was so gar nicht seinem sonstigen Naturell entspricht.

Nach der Untersuchung und Inspektion des Rachens bekommt Leon gleich in der Praxis 3 Globuli Belladonna C30 und die Mutter bekommt 1 Gabe mit nach Haus mit der Anweisung, sie in einem Glas Wasser aufzulösen, zu verkleppern und dem Kind schluckweise bis zur Besserung zu verabreichen (siehe "Einnahme und Dosierung").

Zwei Tage später ruft Frau S. an, Leon geht es viel besser, nach der 1. Gabe Belladonna sei er zu Haus in einen langen Schlaf gefallen, habe viel geschwitzt, am nächsten Morgen habe die Temperatur nur noch 37.5° C betragen, die Halsschmerzen hätten sich dann im Laufe des Tages verloren und heute quengle er schon wieder, er wolle ins Freibad.


Begründung der Mittelwahl

Die Kombination von Leons Symptomen (feuerrot, brennend, heiß, rechte Seite) und die schnelle heftige Entwicklung der Beschwerden lässt den Homöopathen sofort an ein hochakutes homöopathisches Arzneimittel wie Belladonna denken. Der rote Kopf mit den glänzenden Augen und weiten Pupillen bestätigen zusätzlich die Mittelwahl. Auch die Modalitäten (schlimmer nachts, Ruhe bessert/will in Ruhe gelassen werden)sowie die Causa (fraglich: Sonne oder nasse Haare?) sprechen für Belladonna.




Naturheilkunde Forum
Schüssler Salze Test  Bachblüten Test  Heilpilze   Top