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Materia Medica

Klassische Homöopathie

Schüssler Salze
Bachblüten


Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Bryonia alba, weiße Zaunrübe


Zaunrübe, Bryonia oder Gichtrübe

Weiße Zaunrübe, Gichtrübe oder Teufelsrübe, Familie der Cucurbitaceen (Bry.)


Bryonia alba ist eine Kletter- und Schlingpflanze und in Deutschland häufig an Hecken und Zäunen zu finden; sie kann bis zu 4 m hoch werden. Der volkstümliche Name Teufelsrübe kommt nicht von ungefähr, denn alle Teile der Pflanze sind sehr giftig. Schon 15 der roten Beeren können ein Kind töten.

In der klassischen Homöopathie ist Bryonia ein sehr häufig verordnetes Arzneimittel und wird aus der vor Blütebeginn geernteten Wurzel hergestellt. Bryonia war schon den Ärzten der Antike als Heilmittel bekannt; die Heilige Hildegard nannte sie "Stichwurz" wegen der charakteristischen stechenden Schmerzen.

Bryonia wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

serösen Häuten, Schleimhäute, Atemwege, Leber, Gelenke

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa): Ärger, Kränkung, Zorn, finanzielle Probleme, Verkühlung oder Überhitzung im Sommer, Alkohol, Völlerei

Hauptanwendungsgebiete von Bryonia

- Ergüsse der serösen Häute wie
- Rippen- und Bauchfell, Gehirnhäute, Gelenkinnenhäute
- Entzündungen der inneren Organe wie
- Appendicitis (Wurmfortsatzentzündung), Gastritis, Hepatitis, Gallenblasenentzündung
- Husten, Bronchitis
- Lungenentzündung (Pneumonie)
- Rippenfellentzündung (Pleuritis)
- grippaler Infekt
- Kopfschmerz (schlimmer bei Bewegung, Husten und Bücken)
- Brustdrüsenentzündung (Mastitis)
- Milchstau und Milchüberschuss
- Koliken, Blähkoliken der Säuglinge.
- Gallenkoliken
- Hexenschuss und Ischialgie
- Gelenkschmerzen und Gelenkschwellungen
- Rheuma
- stumpfe Verletzungen
- Rippenprellungen
- Verstopfung


Stimmung/Gemüt nach der klassischen Homöopathie

Die Beschwerden begleitend können folgende typische Gemütszustände auftreten:
Reizbarkeit mit Neigung zu Jähzorn, verträgt keinen Widerspruch. Sorgen um die Geschäfte. Will allein sein und in Ruhe gelassen werden. Große Angst vor Armut. Zukunftsangst. Sagt, er wolle nach Hause gehen (selbst wenn er zu Hause ist).

Schmerz

Schmerzen, für die Bryonia als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Bryonia-Schmerzen sind vor allem stechend, aber auch drückende und brennende Schmerzen kommen vor. Der Patient möchte ganz stillliegen. Stets werden die Schmerzen bei Bewegung schlimmer und in Ruhe besser. Ist das nicht der Fall, so muss ein anderes homöopathisches Mittel gesucht werden. Ferner bessern sich die Schmerzen durch Druck, auch durch sehr harten Druck (z. B. Lehnen über eine Stuhlkante) und durch Liegen auf der schmerzhaften Seite. Schmerzen im Bauch wie von einem Stein.

Atemwege

Bryonia ist sehr häufig bei Erkrankungen der Atemwege indiziert: der Husten ist meist ein trockener harter Reizhusten, wund und schmerzhaft beim Husten mit wenig Auswurf, der morgens und abends schlimmer ist. Typisch ist auch ein Husten, der beim Betreten eines warmen Zimmers auftritt. Der Patient möchte tiefe Atemzüge nehmen, die den Husten jedoch verschlimmern. Häufig klagt er über stechende Schmerzen in der Brust, vorzugsweise der rechten Seite. Typisch ist das Festhalten des Brustkorbes mit beiden Händen beim Husten oder Tiefatmen. Das Liegen auf der schmerzhaften Seite bringt Erleichterung.

Fieber

Das Fieber entwickelt sich langsam, es ist trocken, brennend und die Hitze betrifft den ganzen Körper; der Puls ist hart und voll. Frost besonders in den Abendstunden. Extreme Blässe während des Fieberfrostes kann auftreten. Sehr typisch aber selten: einseitiges Frieren. Selbst nach geringer Anstrengung wird reichlich Schweiß abgesondert, was dem Patienten gut tut. Der Schweiß kann säuerlich riechen.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Bryonia

Außerordentliche Trockenheit auf allen Ebenen: trockene Schleimhäute, großer Durst auf große Mengen Flüssigkeit, bitterer Geschmack im Mund. Trockene dick weiß belegte Zunge. Generelle Verschlimmerung durch jegliche Bewegung, selbst bei geringster Bewegung wie z. B. die der Augen. Hält den Brustkorb beim Husten mit beiden Händen. Hält den Kopf beim Husten. Kopfschmerzen schlimmer beim Bücken. Stechende Schmerzen. Druck und Liegen auf der schmerzhaften Seite bessern die Beschwerden. Schmerz wie ein Stein im Magen. Verstopfung ohne Drang mit sehr hartem trockenen Stuhl. Gelenke rot, heiß und geschwollen. Kinder wollen nicht getragen oder hochgehoben werden. Die Beschwerden entwickeln sich langsam. Die Beschwerden bevorzugen die rechte Seite.

Modalitäten

(Dazu zählt alles, was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert);
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, bei denen laut Klassischer Homöopathie Bryonia als Heilmittel infrage kommt:
Besserung der Beschwerden durch
völlige Ruhe. Starker Druck. Liegen auf der schmerzhaften Seite. Kälte. Kalte Getränke und kalte Anwendungen (außer bei Magenbeschwerden) Einsetzen von Absonderungen.

Verschlechterung der Beschwerden durch
geringste Bewegung, sogar Augenbewegung. Gegen 9.00 Uhr, nach 21.00 Uhr. Überhitzte Räume. Nach dem Essen. Nach Aufsitzen. Gemütsbewegungen.

Sonstiges

Bryonia ist ein eher langsames Mittel; die Wirkung tritt nicht so schnell ein wie z. B. bei Aconitum.
Die frühen Homöopathen schätzten Bryonia als Spezifikum bei Appendicitis, heute ist eher der Chirurg gefragt.
Bryonia und Phosphorus sind die bewährtesten Homöopathika bei Lungen- und Rippenfellentzündung.

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Husten - Bryonia-Fall aus der Praxis

Frau W. ruft an und berichtet, dass ihr 12jähriger Sohn Paul schon seit Tagen mit mäßigem Fieber und Husten im Bett läge, Hausmittel hätten bisher nicht geholfen und sie wünscht einen Hausbesuch, denn Paul sei nicht dazu zu bewegen, das Bett zu verlassen und in die Praxis zu kommen. Die Beschwerden begannen bereits vor 4 Tagen mit Müdigkeitgefühlen und einem hartnäckigen trockenen Husten. Nach und nach stellten sich Temperaturen um 38°C ein und der Husten wurde trotz den verabreichten Spitzwegerichsaftes nicht besser. Der Junge sei blass und teilnahmslos und wolle am liebsten in Ruhe gelassen werden. Meist liege er still da, nur beim Husten richte er sich auf und halte mit beiden Händen seinen Brustkorb. Der Husten ist unproduktiv, trocken und ohne Auswurf. Der Appetit ist gering, allerdings habe Paul starken Durst und verlange nach großen Mengen kalten Wassers. Im Gegensatz zu seinem sonstigen Habitus vermeide er jede Bewegung und liege nur still da, meist auf der rechten Seite. Selbst beim Abhorchen stöhnt er und klagt über stechende Schmerzen in der rechten Brustseite, die sich bei der geringsten Bewegung verschlimmern würden.
Nach der Untersuchung erhält Paul 3 Globuli Bryonia C30 direkt auf die Zunge. Ferner werden 3 weitere Globuli in einem Glas Wasser aufgelöst; davon soll Paul je 1 Teelöffel in stündlichem Abstand einnehmen. Tritt eine Besserung ein, sind die Abstände zu vergrößern (siehe "Einnahme und Dosierung").

Eine Woche später spreche ich mit Frau W.: Paul habe zwar noch 2 Tage Temperatur gehabt, er sei aber viel wacher und ansprechbarer gewesen. Schon in der ersten Nacht nach der Einnahme hätte sich der Husten etwas gelöst. Inzwischen seien die Beschwerden so gut wie verschwunden und er besuche wieder die Schule.


Begründung der Mittelwahl

Die außerordentliche Trockenheit, die stechenden Schmerzen und der große Durst bei Husten lassen den Homöopathen sofort an Bryonia denken. Eine weitere Bestätigung für das Mittel ist außerdem das Leitsymtom "hält beim Husten den Brustkorb". Ferner vermeidet Paul jede Bewegung, weil sie die Schmerzen verschlimmert, was den Modalitäten im Arzneimittelbild von Bryonia entspricht. Auch das langsame Fortschreiten der Beschwerden spricht für Bryonia; ein Aconitum- oder Belladonna-Husten z. B. hätte plötzlich und viel heftiger begonnen.




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