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Materia Medica

Klassische Homöopathie

Schüssler Salze
Bachblüten


Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Cantharis, Spanische Fliege


Spanische Fliege, Lytta vesicatoria, Familie der Coleoptera (Canth.)


Cantharis (Spanische Fliege) Bei der spanischen Fliege handelt es sich nicht um eine Fliege oder einen Käfer aus der Familie der Ölkäfer (Meloidae), sondern um einen 1-2 cm langen südeuropäischen Käfer. Seine Verdauungssäfte enthalten Cantharidin, eine Substanz die giftig und stark hautreizend ist und außerdem eine starke Reizung der Harnwege bewirkt. Eine orale Aufnahme im Milligrammbereich ist für den Menschen bereits tödlich. In früheren Zeiten wurde aus der spanischen Fliege ein berüchtigtes Aphrodisiacum (Potenzmittel) hergestellt. Ferner waren sog. Cantharidenpflaster in Gebrauch, die auf der Haut nach kurzer Zeit Entzündung und Blasenbildung erzeugten und nach Meinung der damaligen medizinischen Auffassung Entgiftung und Entschlackung bewirken sollten.
In der klassischen Homöopathie ist Cantharis ein häufig verordnetes Arzneimittel und unterliegt wegen seiner Toxizität bis zur Potenz D3 der Rezeptpflicht.

Cantharis wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

Blase, Niere, Harn- und Geschlechtsorgane, Schleimhäute und seröse Häute, Zentralnervensystem

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa): Verbrennungen. Sonne. Chemikalien (Hautkontakt).

Hauptanwendungsgebiete von Cantharis

- Verbrennungen
- Verbrühungen
- Blasenbildung der Haut
- Augenentzündungen
- Entzündungen der Zunge
- Zystitis (Blasenentzündung)
- Urethritis (Harnröhrenentzündung)
- Blasensteine
- Nierenentzündung (Nephritis)
- Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung)
- Erkrankungen der Ovarien (Eierstöcke)
- Diphterie
- Pleuritis (Rippenfellentzündung)
- Peritonitis (Bauchfellentzündung)
- Gehirnhautentzündung (Meningitis, Encephalitis)
- Scharlach
- Tollwut
- Ekzem
- Erysipel (Wundrose)
- Herpes zoster (Gürtelrose)
- Herpes labialis (Lippenherpes)
- Prostatitis (Entzündung der Prostata)
- manische Zustände

Stimmung/Gemüt laut klassischer Homöopathie

Die Beschwerden begleitend können folgende typische Gemütszustände auftreten:
Unruhe und Rastlosigkeit. Heftiges Temperament mit Nervosität und Reizbarkeit. Fühlt sich unzufrieden und erträgt keine Berührung. Starker Sexualtrieb. Wahnzustände sexueller Art. Wutanfälle.

Blase und Harnwege

Blasen- und Harnwegsbeschwerden, für die Cantharis als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Der Patient wird von unerträglichem ständigen Harndrang gequält, nur unter Schmerzen können wenige Tropfen Urin entleert werden, häufig ist der Urin blutig. Überwiegend brennende schneidende Schmerzen im Bereiche der Blase und stechender Schmerz in der Harnröhre. Die Schmerzen bestehen vor, während und nach dem Urinieren. Das Trinken selbst kleiner Mengen vermehrt den Schmerz in der Blase. Der Harndrang verschlimmert sich beim Gehen und im Stehen und bessert sich in Ruhe. Auch Schmerzen mit vergeblichem Harndrang oder Harnverhaltung mit krampfhaftem Schmerz der Blase. Dauererektionen und gesteigertes sexuelles Verlangen.

Haut

Hauterkrankungen, für die Cantharis als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Verbrennungen 1. und 2. Grades. Brandwunden mit Blasenbildung. Verbrühung. Die Haut brennt, sticht und juckt. Sonnenbrand. Hautausschläge mit Bläschenbildung. Hautausschläge, die bei Berührung brennen. Der Schmerz bessert sich durch kaltes Wasser. Brennen in Mund und Kehle wie von Feuer oder wie wenn das Fleisch roh wäre.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Cantharis:

Das Hauptmittel bei Verbrennungen 1. und 2. Grades mit Blasenbildung der Haut. Bei jeder Krankheit mit brennendem schneidendem Schmerz beim Urinieren und spärlicher Harnausscheidung kommt Cantharis in Betracht. Alle Entzündungen des Urogenitaltraktes, wenn sie akut und sehr heftig sind und ein brennender Schmerz besteht. Häufiger Harndrang mit wenig Ausscheidung oder Harnverhalt. Blasen- und Harnröhrenentzündung mit brennenden Schmerzen beim Urinieren. Nieren- und Nierenbeckenentzündung. Entzündung der serösen Häute (Rippenfell, Herzbeutel, Bauchfell) auch mit Erguß. Allgemein sehr starke heftig brennende stechende reißende Schmerzen, auch Schmerzen wir roh und wund. Die Beschwerden verlaufen schnell, intensiv und destruktiv. Nase und Gesicht sind rot, aber kalt. Ruhrartige Durchfälle. Brennende Schmerzen vom Stuhlgang. Knacken in den Gelenken der Knöchel. Gesteigerte sexuelle Erregbarkeit. Ekel vor Essen, Trinken, Tabak. Durst mit Widerwillen gegen Getränke. Das Geräusch oder der Anblick von Wasser oder etwas Glänzendem ist unerträglich. Die Beschwerden wiederholen sich alle 4 Tage (Periodizität). Die Beschwerden bevorzugen die rechte Seite.

Modalitäten

(=alles was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert)
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, für die Cantharis als Heilmittel infrage kommt:
Besserung der Beschwerden durch:
Wärme. Ruhe. Reiben.

Verschlechterung der Beschwerden durch:
Wasserlassen. Annäherung. Berührung. Kaffee. Trinken von kaltem Wasser. Nachts. Geräusch von Wasser. Glänzendes.

Sonstiges

Cantharis ist eines der wichtigsten Mittel bei Erkrankungen der Harnorgane.
Cantharis ist das Mittel der Wahl bei Verbrennungen 1. und 2. Grades mit Blasenbildung; oft ist durch den Schock der Verletzung vorher Aconitum indiziert.
Coffea sollte nicht vor oder nach Cantharis eingenommen werden.

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Verbrennung - Cantharis-Fall aus der Praxis

Ohne Termin und voller Panik platzt Frau Sch. mit einer Brandverletzung in die Praxis, sie hatte einen Haushaltsunfall: die Fritteuse mit ca. 1 lt. heißem Fett war ihr aus der Hand gefallen und hatte sich über ihr Bein ergossen. Glücklicherweise trug sie einen Rock, so dass keine Kleidung an der Haut klebte. Der Homöopath gibt Frau Sch. erst einmal 3 Globuli Aconitum C200, um die Folgen von Schock und Schreck der Situation aufzufangen. Danach wird Frau Sch. ruhiger und der Homöopath kann die Wunde inspizieren und entscheiden, ob ein Klinikaufenthalt nötig ist. Zum Glück waren die betroffenen Areale nicht allzu groß, allerdings hatte Frau Sch. starke brennende und stechende Schmerzen, auch war die Haut stark gerötet und an zwei Stellen begann sie sich abzulösen und Blasen entwickelten sich. Daraufhin gibt der Homöopath der Patientin 3 Globuli Cantharis C30 und löst 3 weitere Globuli in einem Glas Wasser auf und läßt sie in kurzen Abständen einen Schluck davon trinken. Bereits 5 Minuten nach der ersten Gabe lassen die Schmerzen nach, die Wunde kann versorgt werden und nach weiteren 20 Min. kann Frau Sch. wieder nach Hause gehen. Sie bekommt noch die Anweisung mit, bei erneutem Auftreten des Brennschmerzes wieder einen Schluck der Mischung einzunehmen.



Begründung der Mittelwahl

Die Mittelwahl wurde allein nach der Causa (Verbrennung) und der Symptomatik getroffen (brennender Schmerz und Blasenbildung). Modalitäten und Leitsymptome spielten hier keine Rolle, denn das homöopathische Arzneimittel Cantharis ist das Mittel der Wahl bei Verbrennungen 2. Grades mit Blasenbildung. Hätte es sich um eine Verbrennung 1. Grades gehandelt oder um eine Hautrötung ohne Blasenbildung so wäre u.a. Urtica urens infrage gekommen.




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