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Materia Medica

Klassische Homöopathie

Schüssler Salze
Bachblüten


Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Gelsemium sempervirens, Wilder Jasmin


Wilder Jasmin, Gelsemium sempervirens

Gelber oder wilder Jasmin, Familie der Loganiaceae (Gels.)


Bei Gelsemium handelt es sich um ein sehr giftiges Brechnußgewächs; die tödliche Dosis für den Menschen beginnt ab 3g, es wurden aber auch schon 30g überlebt, hier schwankt die individuelle Empfindlichkeit sehr stark. In früheren Zeiten wurde Gelsemium den alkoholischen Getränken zugesetzt, um die Rauschwirkung zu verstärken. Ferner fand er Verwendung als indianisches Ritualgift und wurde von den Eingeborenen "beho-sito"=gläserner Sarg genannt, weil bei Gottesurteilen oder Opferungen der so Vergiftete bei vollem Bewußtsein gelähmt wurde und erstarrte.
In der klassischen Homöopathie ist Gelsemium ein sehr häufig verordnetes Arzneimittel und ist wegen seiner Toxizität verschreibungspflichtig bis zur Potenz D3.

Gelsemium wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

Nervensystem, Gehirn, Rückenmark, motorische Nerven, Kreislauf, Augen

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa): schlechte Nachrichten, Schreck, Angst. Sonne. Hitze. Feuchtes Wetter. Gewitter. Alkohol.

Hauptanwendungsgebiete von Gelsemium

- Fieber
- Grippaler Infekt
- Bronchitis
- Meningitis (Hirnhautentzündung)
- Kopfschmerzen und Migräne
- HWS-Syndrom (Hals-Wirbelsäulen-Syndrom)
- Sehstörungen, Doppeltsehen
- Schwindel
- Taubheitsgefühl
- Lähmungen
- Ängste wie z. B. Lampenfieber, Prüfungsangst, Erwartungsangst
- Phobien
- Herzneurosen
- Herzrhythmusstörungen
- Multiple Sklerose (MS)
- Tremor (Zittern)
- Nystagmus (Augenzucken)
- Chronisches Erschöpfungssyndrom
- Schwäche und Zittern
- Diarrhoe (Durchfall)
- Typhus
- Heuschnupfen
- Singultus (Schluckauf)
- Neuralgien (Nervenschmerzen)
- Schlaflosigkeit
- Apoplexie (Schlaganfall)
- Geburtserleichterung
- Augenerkrankungen wie z. B.
- Glaukom (grüner Star)
- Retinitis (Entzündung der Netzhaut)
- Netzhautablösung
- Glaskörpertrübung

Stimmung/Gemüt laut klassischer Homöopathie

Die Beschwerden begleitend können folgende typische Gemütszustände auftreten:
Nervös und übererregt. Erwartungsspannung. Lampenfieber. Starke innere Unruhe. Der Patient hat das Gefühl, das Herz würde stehenbleiben, wenn er nicht in Bewegung bleibt. Er will allein sein. Übermäßig starke Schläfrigkeit und Benommenheit. Ängste und Phobien. Schwierigkeiten klar zu denken oder sich zu konzentrieren.

Augen

Augenbeschwerden, für die Gelsemium als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Sehstörungen aller Art wie z. B. Schleiersehen oder Doppeltsehen, Gesichtsfeldausfall, trübes oder verschwommenes Sehen. Schwarzwerden vor den Augen. Sehstörungen oder Blindheit vor dem Einsetzen der Migräne. Die Pupillen sind erweitert, die Augen können kaum offen gehalten werden und die Lider fallen herab. Röte der Augen, wie wund schmerzend und blutunterlaufen. Gelsemium kann - wenn die Symptome passen - auch erfolgreich eingesetzt werden bei Netzhautablösung, Retinitis, Glaukom, Glaskörpertrübung; ferner auch bei Schwierigkeiten, sich an eine neue Brille zu gewöhnen. Neuralgien im Augenbereich mit Zuckungen der Gesichtsmuskeln. Zittern der Lider. Augenschmerzen, die sich bis in den Hinterkopf erstrecken.

Fieber

Fieber, für das Gelsemium als Heilmittel infrage kommt, hat typischerweise folgende Charakteristika:
Der Infekt beginnt meist mit Frieren, starkem Schüttelfrost und übermäßigem Zittern und Zähneklappern, das Frieren läuft den Rücken hinauf und hinab. Die Glieder sind kalt bei heißem Kopf und es besteht eine ausgeprägte Schwäche und Schwere der Glieder wie gelähmt. Das Fieber erreicht selten mehr als 39.0 °C und es besteht meistens kein Durst. Das Gesicht ist dunkelrot, der Puls ist langsam, weich und schwach. Begleitend stellen sich oft Kopfschmerzen ein, besonders im Nacken oder mit Nackensteifigkeit. Die Augen können kaum offengehalten werden und fallen immer wieder zu. Große Schläfrigkeit und Apathie. Gelsemium-Infekte verlaufen nie stürmisch sondern entwickeln sich langsam, zwischen Causa und Beginn der Erkrankung liegen mindestens 2, meistens 3-5 Tage, der Infekt verläuft schleppend und auch die Rekonvaleszenz zieht sich hin. Auch nach der Grippe klagt der Patient noch länger über Schwäche und "Gummibeine".

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen, für die Gelsemium als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Die Kopfschmerzen sind dumpf mit Schweregefühl oder der Patient hat das Gefühl eines eng anliegenden Bandes um den Kopf. Der Patient kann den Kopf kaum aufrecht halten. Die Schmerzen erstrecken sich zum Nacken oder zum Hinterkopf, auch vom Hinterkopf zur Stirn sich hinziehend bis in die Augen. Das Liegen mit hochgelagerten Kopf bessert die Beschwerden etwas, ebenso wie reichliches Urinieren. Die Kopfschmerzen werden häufig begleitet von Sehstörungen, Schwindel und Schwäche mit einem Gefühl wie betrunken. Gefühl, der Kopf schwillt an. Pulsieren im Kopf. Drückender Schmerz auf dem Scheitel, der sich bis zu den Schultern hinzieht. Schmerz in der Schläfe, der sich bis ins Ohr oder auch bis ins Kinn erstreckt. Empfindliche Kopfhaut. Migräne, die gegen 2 oder 3.00 Uhr morgens beginnt und dann nachmittags sich bessert. Migräne mit Sehstörungen.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Gelsemium:

Zittern. Schwäche. Lähmungen. Allgemeine körperliche und geistige Erschöpfung. Apathischer Gemütszustand mit Verwirrung und starker Schläfrigkeit; der Patient kann kaum die Augen offenhalten. Lider sind schwer und fallen herab (Ptosis). Zuckungen. Augenmuskellähmungen. Die Pupillen sind erweitert. Kopfschmerz und Migräne, die sich zum Nacken erstrecken. Kopfschmerz besser durch reichliches und häufiges Wasserlassen. Mangel an Muskelkoordination. Schweregefühl der Beine. Durchfall und vemehrte Miktion durch Aufregungen. Stimulanzien wie Kaffee und Alkohol bessern die Beschwerden. Unverträglichkeit von Wärme und Sonne. Schwäche der Knie, taumelnder Gang. Angst, das Herz würde stehenbleiben, wenn er nicht in Bewegung bleibt. Durstlosigkeit. Schmerzlose Durchfälle, besonders durch Gemütsbewegungen. Ängste und Phobien aller Art, oft mit Durchfall oder vermehrter Miktion. Die Beschwerden entwickeln sich langsam und bevorzugen die rechte Seite.

Modalitäten

(=alles was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert)
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, für die Gelsemium als Heilmittel infrage kommt:
Besserung der Beschwerden durch:
Alkohol und Stimulanzien. Dauernde Bewegung. Reichliches Wasserlassen. Eintreten von Absonderungen.

Verschlechterung der Beschwerden durch:
Angst. Gemütsbewegung. Aufregung. Lampenfieber. Sonne. Hitze. Schwüles Wetter. Tabak.
9-10.00 Uhr. Denken an die Beschwerden.

Sonstiges

Das wichtigste "Zittermittel", alles zittert: Beine, Hände, sogar die Zunge beim Herausstrecken.
Gelsemium galt früher als Mittel für "Feigheit vor dem Feind" und wurde ängstlichen Soldaten vor einer Schlacht gegeben.
Gelsemium ist das Hauptmittel für Beschwerden durch Föhn.
Gelsemium ist ein eher langsam wirkendes Mittel.

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Grippaler Infekt - Gelsemium-Fall aus der Praxis

Der Homöopath stattet seinem Patienten Herrn F. einen Hausbesuch ab, da dieser seit einigen Tagen mit Fieber im Bett liegt und der Infekt trotz der Einnahme von Paracetamol nicht besser werden will. Der Homöopath läßt sich den Krankheitsverlauf genau beschreiben: Es begann vor einigen Tagen mit starkem Schüttelfrost und so starkem Zittern, dass es das Bett schüttelte. Das Frieren war im Rücken zu spüren und lief in Schauern hinauf und herab. Das folgende Fieber bewegte sich immer um 38°C. Begleitend klagt Herr F. über eine unverhältnismäßig starke Müdigkeit und Erschöpfung, er könne den ganzen Tag nur schlafen und lege auch keinen Wert auf Gesellschaft. Wenn er aufstehe, fühle er eine starke Schwäche besonders der Beine, seine Knie würden zittern und er wolle nichts als wieder zurück ins Bett. Nach weiteren Beschwerden befragt, klagt er noch über Kopfschmerzen, die sich zum Nacken erstrecken. Nach dem Urinieren lassen sie seltsamerweise etwas nach; überhaupt müsse er reichlich Wasser lassen. Auffallend ist sein dunkelrotes Gesicht und sein "Schlafzimmerblick", d. h. er bekommt seine Augen kaum auf, die Lider fallen immer wieder herab. Die Pupillen sind weit und der Puls langsam, weich und schwach.
Nachdem der Homöopath sein Repertorium befragt hat, verordnet er Herrn F. Gelsemium C30, von dem er ihm gleich 3 Globuli auf die Zunge gibt und weitere 3 Globuli in einem Glas Wasser auflöst. Von dieser Mischung soll Herr F. dann in Abständen teelöffelweise einnehmen, bis eine Besserung eintritt.



Begründung der Mittelwahl

Da ein Auslöser der Beschwerden (Causa) in diesem Fall nicht ermittelt werden kann und auch keine charakteristischen Modalitäten erkennbar sind, hält sich der Homöopath an die Gesamtheit der vorliegenden Symptome, die sich am ehesten mit dem Mittelbild des homöopathischen Arzneimittels Gelsemium vereinbaren lassen. Auch das Arzneimittel Lachesis deckt die Symptome gut ab, allerdings nicht die Kopfschmerzen, die sich nach dem Urinieren bessern; daher fiel die Entscheidung auf Gelsemium.




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