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Materia Medica

Klassische Homöopathie

Schüssler Salze
Bachblüten


Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Lyssinum, Hydrophobinum


Lyssinum - tollwütiger Wolf

Tollwut-Nosode (Lyss.)


Bei dieser homöopathischen Arznei handelt es sich um eine sog. Nosode, die aus dem Speichel eines tollwütigen Hundes hergestellt wurde. Der Name leitet sich her von griech. Lyssa=Wut oder Hundswut; die englische Bezeichnung für Tollwut ist Rabies. Der andere häufig verwendete Name Hydrophobinum ist dem Englischen entlehnt von hydrophobia = Wasserfurcht, da bei Patienten, die sich mit Tollwut infiziert haben, neben qualvollem Durst und Schluckstörungen auch Wasserscheu auftritt. Die Krankheit wird ausgelöst durch ein Virus, welches durch Hundbiß oder seltener durch Bisse von Füchsen, Wölfen oder Katzen übertragen wird. In der Unfallmedizin wird Lyssinum als Tollwutprophylaxe verwendet, wenn kein Tollwutserum vorhanden ist.
Das Mittel wurde erstmals 1833 von C. Hering geprüft und seine medizinische Verwendung vorgeschlagen, lange bevor Pasteur seinen Tollwutimpfstoff entwickelte.
In der klassischen Homöopathie wird Lyssinum vorwiegend verordnet, wenn Gemüt oder Nervensystem betroffen sind.

Lyssinum wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

Nervensystem, Hals, Knochen, Genitalien

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa):
Tierbiß, Impfung, Sonne

Hauptanwendungsgebiete von Lyssinum

- Epilepsie (Krampfanfälle)
- Spasmen (Krampfzustände)
- Schlundkrampf
- Ängste wie
- Hydrophobie (Angst vor Wasser)
- Agoraphobie (Platzangst)
- Klaustrophobie (Angst in engen Räumen)
- Furcht vor Ersticken, Alleinsein, Autofahren, Fliegen
- Zwangsstörungen
- Impffolgen
- Folgen von Tierbissen
- Photophobie
- Kopfschmerzen
- Husten
- Arthritis (Gelenkentzündung)
- Harnwegsinfektionen
- Vaginismus
- Uterusprolaps (Gebärmuttervorfall)
- Keloide

Stimmung/Gemüt laut klassischer Homöopathie

Die Beschwerden begleitend können folgende typische Gemütszustände auftreten:
Das Arzneimittelbild ist geprägt von vielen Ängsten; die Patienten haben Furcht zu ersticken, können z. B. keine Tablette schlucken. Sie haben Angst beim Anblick oder beim Geräusch von fließendem Wasser, von reflektierendem Licht oder Spiegeln. Sie fürchten sich allein zu sein, den Verstand zu verlieren, etwas Schlimmes könne geschehen. Man findet Phobien und Zwangsverhalten wie Agoraphobie, Klaustrophobie, Angst vorm Fliegen und Autofahren. Der Geist ist hyperaktiv, die Sinne sind übermäßig empfindlich, worauf später Dumpfheit und Depression folgen. Weiterhin findet man heftige Zerstörungswut mit dem Verlangen zu beißen, Reizbarkeit und Zorn, häufig gefolgt von Reue. Die Patienten neigen zu Zwängen und rituellem Verhalten, haben auch das Verlangen, sich zu stechen oder Schnittverletzungen zuzufügen.

Zentralnervensystem

Beschwerden des Zentralnervensystem, für die Lyssinum als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Ein Mittel für Krampfanfälle und Spasmen, häufig mit vermehrtem Speichelfluß und Schaum vor dem Mund sowie Opisthotonus (Überstrecken nach hinten). Die Krämpfe und Konvulsionen werden hervorgerufen durch den Anblick von fließendem Wasser, glitzernden Gegenständen oder reflektierendem Licht. Auch das Geräusch des Wassers allein verschlimmert die Beschwerden z. B. Kopfschmerzen, selbst wenn die Patienten nur an Wasser denken. Die Sinnesorgane sind geschärft und überempfindlich, Sonnenhitze ist unerträglich.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Lyssinum:

Folgen von Tierbissen, sowohl von tollwütigen wie auch gesunden Tieren. Tollwutimpfung in der Vorgeschichte oder Familienanamnese. Epilepsie, Krämpfe und Spasmen, Konvulsionen schlimmer durch Sonne. Überscharfe Sinneswahrnehmung und Überempfindlichkeit gegen äußere Reize. Kopfschmerzen und Photophobie. Allgemeine Verschlimmerung durch glitzernde Gegenstände, fließendes Wasser, Licht. Schlundkrämpfe, große Furcht zu ersticken, selbst beim Schlucken von Wasser. Klaustrophobie, Agoraphobie, Hydrophobie, Flugangst, Angst vor dem Alleinsein, dem Autofahren. Zorn und Wut. Ungeduld und schnelles Sprechen, heftige Gemütsausbrüche mit ruhelosem Umherwandern. Zwänge und rituelles Verhalten. Fadenziehender schaumiger Speichel und pausenloses Ausspucken. Stuhldrang, Harndrang oder unfreiwilliger Harnabgang beim Geräusch fließenden Wassers oder das Urinieren ist nur möglich wenn Wasser läuft. Übermäßige sexuelle Erregung, vermehrte Libido. Uterusverlagerungen. Wunden färben sich bläulich oder dunkelviolett, Keloide. Vermehrte Bildung von Körperflüssigkeiten: Schweiß, Speichel, Harn, Durchfall. Bellender Husten. Nackenschmerzen, Arthritis, Knochenschmerzen. Durchfall.

Modalitäten

(=alles was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert)
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, für die Lyssinum als Heilmittel infrage kommt:
Besserung der Beschwerden durch:
frische Luft, Beugen nach rückwärts, sanftes Reiben

Verschlechterung der Beschwerden durch:
Anblick oder Geräusch von fließendem Wasser, glänzende Gegenstände, Sonnenhitze, Bücken, Zugluft

Sonstiges

In der homöopathischen Literatur wird empfohlen, nach dem Biß eines tollwutverdächtigen Hundes 3-4 mal täglich Lyssinum zu geben bis eine Reaktion in Form von Mattigkeit, Kopfschmerz oder innerer Unruhe eintritt, was darauf hinweist, dass die Mittelwirkung begonnen hat.

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Lyssinum-Fall aus der Praxis

Frau L. kommt mit ihrem 7jährigen Sohn Anton in die Praxis wegen rezidivierender Atemwegsinfekte und Kopfschmerzen. Im Anamnesegespräch berichtet die Mutter, dass die Kopfschmerzen durch Sonne oder helles Licht sehr verschlimmert werden. Außerdem schwitze Anton stark und heftig. Hatte er mal etwas anderes als das übliche gegessen, bekomme er Durchfall. Nach seinem Verhalten befragt, berichtet Frau L., dass Anton seit einiger Zeit zu heftigen Wutanfällen neige; er sei häufig aus heiterem Himmel und ohne Anlaß grundlos beleidigt und steigere sich dann in einen heftigen Tobsuchtsanfall hinein. Dann sei er völlig außer sich, biß und spuckte und schlug auch mit Gegenständen um sich. Hinterher täte ihm sein Verhalten allerdings immer sehr leid und er zeige Reue. Außerdem sei er sehr wasserscheu und zeige schon beim Anblick von Wasser eine heftige Furcht vor Wasser.
Daraufhin bekommt Anton eine Gabe der Tollwutnosode Lyssinum.


Begründung der Mittelwahl

Mittelweisend für die Wahl der homöopathischen Arznei Lyssinum sind folgende Symptome: Kopfschmerzen schlimmer durch Licht und Sonne, Wutanfälle mit spucken und folgender Reue, Schweißneigung und der Durchfall nach Diätsünden, welche in dieser Kombination im Arzneimittelbild Lyssinums zu finden sind. Alternativ könnte man auch an Belladonna denken, allerdings ist hier die Furcht vor Wasser nicht so ausgeprägt.



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