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Materia Medica

Klassische Homöopathie

Schüssler Salze
Bachblüten


Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Tabacum, Nicotiana tabacum


Tabakblüte

Tabakpflanze, Familie der Solanaceae (Tab.)


Zur Herstellung der homöopathischen Arznei verwendet man die nicht fermentierten getrockneten Blätter des Virginischen Tabaks. Die indianischen Ureinwohner benutzten Tabak vor allem zu rituellen Zwecken. Weil mäßiger Tabakgenuß den Appetit hemmt, wurde er von den Indianern auch in schlechten Zeiten als hungerstillendes Mittel verwendet. Im Jahre 1586 wurde die Tabakpflanze dann durch Sir Walter Raleigh in England eingeführt und danach verbreitete sich das Tabakrauchen schnell in ganz Europa. Tabak enthält das Alkaloid Nikotin, welches in kleinen Dosen anregend und in großen Dosen lähmend auf das Nervensystem wirkt.
In der klassischen Homöopathie ist Tabacum eine der wichtigsten Arzneien bei See- und Reisekrankheit.

Tabacum wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

Zentralnervensystem, vegetatives Nervensystem, Gefäße, Herz, Magen-Darmtrakt.

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa):
Autofahren. Schifffahren. Tabakgenuß. Fasten. Klimakterium.

Hauptanwendungsgebiete von Tabacum

- Übelkeit
- Erbrechen
- Reisekrankheit, Seekrankheit
- Schwangerschaftserbrechen
- Schwindel
- Morbus Meniere
- Kopfschmerzen
- Migräne
- Neuralgien (Nervenschmerzen)
- Sehstörungen
- Amaurose (Erblindung)
- Strabismus (Schielen)
- Ohrensausen
- Ohnmacht
- Kollapszustände
- Hypotonie (niedriger Blutdruck)
- Hypertonie (Bluthochdruck)
- Tachykardie (Herzklopfen)
- Angina pectoris (Herzkranzgefäßverengung)
- Apoplexie (Schlaganfall)
- Krämpfe
- Nierenkoliken
- Diarrhoe

Stimmung/Gemüt laut klassischer Homöopathie

Die Beschwerden begleitend können folgende typische Gemütszustände auftreten:
Der Patient ist sehr niedergeschlagen, verzagt und unzufrieden, sich zu konzentrieren fällt ihm schwer. Gefühl von starker Elendigkeit und Ängstlichkeit. Angst durch Druck auf der Brust, Angst mit kaltem Schweiß und mit Weinen. Der Betroffene ist schlaflos infolge nervöser Erregung, ängstliche Ruhelosigkeit treibt ihn herum; er reagiert empfindlich auf Musik. Verlangen nach Tabak.

Reisen und Seefahrt

Beschwerden auf See oder auf Reisen, für die Tabacum als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Der Reisende verspürt eine elendige Übelkeit mit Erbrechen und Schwindel, begleitet von Leichenblässe bis zur Bewußtlosigkeit. Der Körper ist in kaltem Schweiß gebadet, die Hände sind eiskalt. Alle Beschwerden verschlimmern sich bei der geringsten Bewegung und beim Öffnen der Augen sowie beim nach-hinten-Blicken. Es besteht ein starkes Verlangen nach frischer Luft und eine Abneigung gegen Wärme. Der Patient muss die Augen geschlossen halten, ganz ruhig bleiben und sich im Freien an Deck aufhalten. Mit jeder Bewegung setzt erneut Erbrechen und kalter Schweiß ein. Bei allen Beschwerden und trotz eiskalter Haut möchte er nicht bedeckt werden. Die Übelkeit ist häufig mit vermehrtem Speichelfluß verbunden. In der Magengrube verspürt er Flauheit und ein schreckliches ohnmachtsartiges Schwächegefühl. Erbrechen bessert seine Beschwerden.

Kopf

Beschwerden des Kopfes, für die Tabacum als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Der Patient hat heftige Migräne, die meist ein oder zwei Tage anhält, mit drückenden Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Erbrechen, meist erbricht er schon vor dem Frühstück. Das Erbrechen führt zu kurzzeitiger Erleichterung der Beschwerden. Lärm und Licht verschlimmern die Kopfschmerzen. Plötzlicher Schmerz im Kopf wie von einem Hammerschlag. Der begleitende Schwindel ist meist ein anfallsweiser Drehschwindel, der sich bei jeder Bewegung und beim Öffnen der Augen verschlimmert und sich im Freien bessert; auch sog. Morbus Meniere. Der Betroffene kann nur verschwommen sehen oder wie durch einen Schleier. Zentrales Skotom und Doppelbilder. Trotz eiskalter Glieder und Kältegefühl möchte er nicht zugedeckt werden.

Herz

Beschwerden des Herzens, für die Tabacum als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Starkes Herzklopfen mit Beklemmung und unstetem ungleichmäßigem Herzschlag. Kollapszustände. Präkordialangst, vorwiegend nachts. Angina pectoris mit plötzlicher Angst und heftigem Herzklopfen. Das Herzklopfen wird schlimmer beim Liegen auf der linken Seite, legt der Betroffene sich auf die rechte Seite vergeht es wieder. Herzschmerzen, die vom Brustbein in die Umgebung ausstrahlen. Die Beschwerden können begleitet sein von Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, kaltem Schweiß und Blässe.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Tabacum:

Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Totenblässe, eisige Kälte des Körpers und kalter Schweiß. Elende Übelkeit mit Schwindel, Kopfschmerz und Erbrechen. Erbrechen bei der geringsten Bewegung. Verschlimmerung beim Öffnen der Augen. Trotz der Kälte will der Patient nicht bedeckt sein. Besserung bei Erbrechen und an der frischen Luft. Eiskalte Hände bei warmem Körper. Mühsames Atmen und Gefühl höchster Elendigkeit. Intermittierender Puls. Angina pectoris mit Angst. Herzangst und nervöses Herzklopfen mit unregelmäßigem Puls. Herzbeschwerden beim Liegen auf der linken Seite, die aufhören beim Liegen auf der rechten Seite. Große Schwäche und Zittern. Migräne mit Seh- und Hörstörungen, Doppeltsehen und Ohrensausen. Schwindel bis zur Bewußtseinstrübung. Gefühle wie Kribbeln, Ameisenlaufen und Parästhesien. Ohnmachtsartiges Schwächegefühl in der Magengrube und Flauheit. Plötzlicher dringender Durchfall mit Übelkeit, Erbrechen, Schwäche und kaltem Schweiß. Krampfschmerzen in Magen und Darm. Blutige Stühle. Linksseitige Nierenkolik mit Schmerz entlang des Harnleiters.

Modalitäten

(=alles was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert)
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, für die Tabacum als Heilmittel infrage kommt:
Besserung der Beschwerden durch:
frische kalte Luft, Urinieren, Erbrechen, Weinen, durch Abdecken, Entblößen des Bauches.

Verschlechterung der Beschwerden durch:
Fahren, geringste Bewegung, Tabakrauch, warme Räume, Liegen auf der linken Seite, Augenöffnen, abends.

Sonstiges

Tabacum ist oft hilfreich zur Erleichterung beim Abgewöhnen des Tabakgenusses (auch Calad.)
Ignatia und Nux vomica sollten nicht vor oder nach Tabacum eingenommen werden.
Antidot für übermäßige Tabakwirkung ist Essig und saurer Apfel.

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Reisekrankheit - Tabacum-Fall aus der Praxis

Frau R. kommt in die Praxis und schildert ihre Sorgen, die den anstehenden Famlienurlaub betreffen. Die Familie freut sich auf 3wöchige Ferien im Westerwald, allerdings graut ihr vor der langen ca. 6stündigen Autofahrt, denn ihre beiden Töchter, die 5jährige Sina und die 7jährige Melanie, leiden unter Reisekrankheit. Auch schon bei relativ kurzen Autofahrten klagen die Kinder über Übelkeit und Schwindel und sie müssen erbrechen. Alle paar Kilometer muss die Autofahrt unterbrochen werden, nach einigen Kilometern wiederholt sich dann aber das Problem. Nach der Befragung durch den Homöopathen ergibt sich folgendes Bild: Sina, die jüngere Tochter verspürt schon nach wenigen Kilometern Autofahrt eine starke Übelkeit mit Brechreiz, so dass an der nächsten Haltemöglichkeit angehalten werden muss. Draußen an der frischen Luft geht es ihr dann sofort besser, meist kommt es nicht zum Erbrechen; wenn doch, so verspürt sie Erleichterung, die meist eine halbe Stunde anhält. Nach einer Weile klagt sie jedoch wieder, dass ihr schlecht sei, meist wirft sie ihre Jacke ab, das Öffnen des Fensters lindert ihre Übelkeit, die warme Heizungsluft verstärkt die Beschwerden. Nach der Aufnahme dieser Symptome verordnet der Homöopath Sina das homöopathische Arzneimittel Tabacum C30 und widmet sich dann ihrer Schwester Melanie.

Begründung der Mittelwahl

Die häufigsten homöopathischen Mittel bei Reisekrankheit sind Cocculus, Nux vomica, Tabacum und Petroleum, anhand der Modalitäten können sie jedoch klar unterschieden werden. dass sich Sinas Beschwerden draußen bessern und sie ein Verlangen nach frischer Luft verspürt, spricht gegen Cocculus und Nux vomica, denn diese beiden Mittel verspüren eine Verschlimmerung der Beschwerden im Freien. Auch die Differenzierung zwischen Tabacum und Petroleum fällt nicht schwer, denn eine Erleichterung durch das Erbrechen findet sich im Arzneimittelbild von Tabacum, jedoch nicht bei Petroleum.




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