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Materia Medica

Klassische Homöopathie

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Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Rhus toxicodendron, Gifteiche


Rhus toxicodendron (Gifteiche)

Gifteiche, Giftsumach, Familie der Anacardiaceae (Rhus-tox.)


Rhus toxicodendron (Toxicodendron quercifolium) wächst vorwiegend in Nordamerika in feuchten Gegenden und hat sich dort als Plage erwiesen. Der Name Gifteiche erklärt sich dadurch, dass die Pflanze einen gelblichen Milchsaft enthält, der bei Kontakt mit der Haut bei den meisten Menschen starke Hautirritationen hervorruft in Form von Brennen, Juckreiz und Blasenbildung. Ca. 50% aller Menschen reagieren auf den Inhaltsstoff Urushiol allergisch. Auf kleinere Tiere wie z. B. Kaninchen wirkt das Gift sogar tödlich.

Rhus toxicodendron ist ein sehr häufig in der klassischen Homöopathie verordnetes Arzneimittel; für die Herstellung werden die frischen Blätter verwendet.

Rhus toxicodendron wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

Haut. Schleimhaut. Bindegewebe wie Gelenke und Sehnen. Muskeln. Nerven. Augen.

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa): Feuchte Kälte. Kälte. Nässe. Wetterwechsel. Air condition. Nach Überhitzung und Durchschwitzen. Verstauchung. Verrenkung. Überanstrengung.

Hauptanwendungsgebiete von Rhus toxicodendron

- Arthritis (Gelenkentzündung)
- Verletzungen der Gelenke und Sehnen
- stumpfe Verletzungen wie z. B.
- Zerrungen, Verrenkungen, Verstauchungen
- Sportverletzungen
- Rheuma (schlechter in der kalten Jahreszeit)
- Arthroseschmerzen
- Hexenschuss bzw. Rückenschmerzen (Lumbago bzw. Lumbalgie)
- Ischiasbeschwerden
- HWS-Syndrom (Hals-Wirbelsäulen-Syndrom)
- Schleudertrauma
- Tendovaginitis (Sehnenscheidenentzündung)
- Tennisellenbogen, Mausarm
- Muskelkater
- Herpes zoster (Gürtelrose)
- Herpes labiales (Lippenherpes)
- Neuralgien (Nervenschmerzen)
- Urtikaria (Nesselsucht)
- "Kälteallergie"
- Fieberbläschen
- Hautausschläge mit Juckreiz, Quaddeln, Schwellung, Bläschen
- Milchschorf (auch Viola tricolor)
- Augenentzündungen
- Fieber, Fieber mit Hautausschlag
- Knacken des Kiefergelenkes
- Herzinfarkt
- Heiserkeit oder Stimmlosigkeit (wird besser beim Sprechen)
- Windpocken
- Wetterfühligkeit

Stimmung/Gemüt laut klassischer Homöopathie

Die Beschwerden begleitend können folgende typische Gemütszustände auftreten:
Extreme nervöse Unruhe mit dauernder Lageveränderung. Ruhelosigkeit treibt nachts aus dem Bett. Befürchtungen und Sorgen werden nachts und in Ruhe schlimmer. Grundloses Weinen ohne zu wissen warum. Abergläubische Ängste. Ängste treiben nachts aus dem Bett.

Schmerz

Schmerzen, für die Rhus toxicodendron als Heilmittel infrage kommt, haben folgende Charakteristika:
Der Schmerz ist zu Beginn der Bewegung schlimmer und bessert sich mit fortdauernder Bewegung. Die Schmerzqualität ist ziehend, schießend, stechend, brennend. Nachts sind die Schmerzen schlimmer. Steifheitsgefühl. Lahmheitsgefühl. Das Bett erscheint zu hart (auch Arnica). Empfindliche Kopfhaut. Kopfschmerz hinter den Augen in der Stirn, schlimmer durch Bewegung der Augen. Stirnkopfschmerz, der zum Hinterkopf wandert. Leere und Schwere des Kopfes. Gehirn wie locker. Gefühl, als wenn das Gehirn an den Schädel schwappt.

Haut

Hautausschläge, für die Rhus toxicodendron als Heilmittel infrage kommt haben typischerweise folgende Charakteristika:
Ausschläge mit gelblichen Bläschen und heftigem Juckreiz, Brennen oder Stechen (wie z. B. Windpocken oder Herpes). Nässende Bläschen. Urtikaria durch Naßwerden. Nesselsucht. Die Hautausschläge verschlimmern sich durch Nässe, Schweiß, während Fieber, während des Fieberfrostes oder in kalter Luft. Kälteurtikaria (sog. "Kälteallergie")

Augen

Rhus toxicodendron ist in der klassischen Homöopathie ein sehr wichtiges Mittel bei Bindehautentzündung (siehe auch Euphrasia oder Solanum dulcamara) mit Lichtscheu (Abneigung gegen helles Licht) und häufigem reichlichen und scharfen Tränenfluß. Die Absonderungen sind so scharf, dass Lidränder und umgebende Haut sich röten und wund werden. Die Lider jucken und sind geschwollen (besonders das Oberlid) und morgens sind die Augen verklebt und vermehrt gerötet. Im Gegensatz zum Leitsymptom "besser durch Bewegung" sind hier die Augenschmerzen schlimmer durch Bewegung der Augen. Häufig ist das rechte Auge stärker betroffen. Irits bei Rheuma. Auslösung der Augenbeschwerden durch Kälte, nasskaltes Wetter, Durchnässung oder auch nach kalten Füßen.

Fieber

Fieber, für das Rhus toxicodendron als Heilmittel infrage kommt, hat typischerweise folgende Charakteristika:
Die Fieberzustände gehen einher mit mäßigem Fieberdelirium und Benommenheit; es besteht eine große Unruhe und ein Drang nach ständiger Lageveränderung. Schüttelfrost mit trockenem Husten und Unruhe. Gefühl wie mit kaltem Wasser übergossen. Gefühl, als ob das Blut kalt durch die Adern liefe. Großer brennender Durst. Die Zunge ist rissig, rot, trocken und belegt mit Zahneindrücken. Rotes Dreieck an der Zungenspitze. Häufig finden sich Fieberbläschen am Mund. Nesselsucht bei Fieber. Durchfall bei Fieber. Oft träumt der Patient von großer Anstrengung oder von der Arbeit.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Rhus toxicodendron

Verschlimmerung aller Beschwerden in Ruhe und Besserung durch Bewegung. Schmerz zu Beginn der Bewegung, der sich bei fortgesetzter Bewegung bessert. Ischias, Lumbago, Gelenk- und rheumatische Beschwerden. Verschlimmerung oder Auslösung der Beschwerden durch feuche Kälte und Nässe. Rotes Dreieck der Zungenspitze. Verlangen nach kalter Milch. Bitterer Geschmack im Mund. Bläschenartige oder erysipelartige Hautausschläge, die jucken und brennen, auch nässen, auch mit Quaddelbildung. Starker Juckreiz. Ödematöse Schwellungen. Hautausschläge durch Nässe oder feuchte Kälte. Neuralgien, Kribbeln und Taubheitsgefühle. Herzbeschwerden nach Überanstrengung. Verschlimmerung der Beschwerden nachts und in Ruhe. Verschlimmerung in Herbst und Winter.

Modalitäten

(Dazu zählt alles, was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert);
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, bei denen laut Klassischer Homöopathie Rhus toxicodendron als Heilmittel infrage kommt:
Besserung der Beschwerden durch
fortdauernde Bewegung. Lageveränderung. Warmes trockenes Wetter. Wärme. Strecken der Glieder. Körperliche Anstrengung.

Verschlechterung der Beschwerden durch
Ruhe. Feuchtes kaltes Wetter. Vor Gewitter oder Unwetter. Wetterwechsel. Nachts, besonders nach Mitternacht. Morgens beim Aufstehen. Entblößung einzelner Körperteile. Eiskalte Getränke. Im Herbst und Winter.

Sonstiges

Rhus tox. ist das am häufigsten verordnete homöopathische Arzneimittel bei Herpes zoster (Gürtelrose); außerdem ist es eines der wichtigsten Mittel bei Erysipel.
Als Komplementärmittel (Ergänzungsmittel) kommen oft Arnica oder Bryonia infrage.
Apis mellifica sollte weder vor noch nach Rhus tox. eingenommen werden.
Platzangst im CT bzw. MRT ist ein Versuch mit Rhus tox. wert.

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Hexenschuss - Rhus toxicodendron-Fall aus der Praxis

Herr W. kommt in die Praxis und klagt über Rückenschmerzen. Begonnen hatten die Beschwerden vor ca. 1 Woche. Es war ein feuchtkalter windiger Tag, an dem er seinen Garten umgraben wollte. Nach kurzer Zeit war er von der anstrengenden Arbeit nassgeschwitzt und empfand den Wind als sehr unangenehm. Bei einer plötzlichen "falschen Bewegung" schoß ihm ein heftiger Schmerz in den Rücken, der sich bis zum rechten Knie herunter erstreckte. Im Laufe der Woche behandelte er sich selbst mit Wärmflaschen und Ibuprofen. Die Wärme tat ihm gut, das Ibuprofen wirkte nur zeitweise und der Schmerz kam immer wieder.
Nach der Schmerzqualität befragt, schilderte er die Beschwerden als "schießend", am schlimmsten seien sie zu Anfang einer Bewegung, wie z. B. beim morgendlichen Aufstehen aus dem Bett. Wenn er sich dann eine Weile bewegt hatte, quasi "eingelaufen hatte", wurden die Schmerzen besser.
Nach der Untersuchung bekommt Herr W. ein Rezept über Rhus toxicodendron Tropfen C12 mit der Anweisung, bei Bedarf 3 Tropfen auf die Zunge zu geben und die Einnahme bei Nachlassen der Wirkung zu wiederholen.
Nach einer Woche unregelmäßiger Einnahme der homöopathischen Arznei ist Herr W. wieder beschwerdefrei.



Begründung der Mittelwahl

Die Wahl des Arzneimittels fällt nach den Regeln der klassischen Homöopathie eindeutig auf Rhus toxicodendron, da Herrn W.s Beschwerden das Leitsymptom "besser bei fortdauernder Bewegung" aufweisen. Auch die Schmerzqualität (schießend) und die Modalität "Wärme bessert" sowie die Causa (feuchte Kälte, nassgeschwitzt) bestätigen die Ähnlichkeit zu dem Arzneimittelbild Rhus toxicodendron. Hätte Herr W. in der Ruhe Besserung erfahren, wäre z. B. an das Arzneimittel Bryonia zu denken.




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