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Materia Medica

Klassische Homöopathie

Schüssler Salze
Bachblüten


Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Veratrum album, Weißer Germer


Veratrum album, Weißer Germer

Weißer Germer oder Nießwurz, Familie der Liliaceae (Verat.)


Der weiße Germer ist heimisch in Europa und Asien, wird bis 1,50 cm hoch und seine Blüten verströmen im Sommer einen betäubenden Duft. Schon in der Antike wurde die Pflanze als Brechmittel oder Abführmittel eingesetzt, aber auch gegen Ungeziefer und bei Wahnsinn. Samuel Hahnemann setzte Veratrum album mit großem Erfolg bei der Cholera ein. Weil Veratrum album das Muskel- und Nervengift Protoveratrin enthält ist es verschreibungspflichtig bis zur D3.
In der klassischen Homöopathie ist Veratrum album ein häufig verordnetes Arzneimittel und unverzichtbar vor allem bei kollapsartigen Zuständen und psychotischen Symptomen.

Veratrum album wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

Nervensystem, Herz, Kreislauf, Magen-Darm-Trakt.

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa): Schreck. Aufregung. Kränkung. Gefühlserregung. Verletzter Stolz oder verletzte Ehre. Geldverlust. Verachtung oder Geringschätzung durch andere. Essen von Obst.

Hauptanwendungsgebiete von Veratrum album

- Kollaps
- Hypertonie (Bluthochdruck)
- Hypotonie (niedriger Blutdruck)
- Schwindel
- Kopfschmerz und Migräne
- Epilepsie
- Neuralgien (Nervenschmerzen)
- Morbus Addison (Nebennierenrindeninsuffizienz)
- Altersdemenz
- Psychose nach seelischem Trauma
- Wochenbettpsychose
- Wahnvorstellungen
- religiöser Wahn
- Manische Depression
- Hyperaktivität, ADHS
- Menstruationsbeschwerden
- Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung)
- Säuglingsenteritis (Darmentzündung)
- Obstipation (Verstopfung) der Stillkinder
- Diarrhoe (Durchfall)
- Cholera
- Tetanus

Stimmung/Gemüt laut klassischer Homöopathie

Die Beschwerden begleitend können folgende typische Gemütszustände auftreten:
Veratrum ist eines der wichtigsten Mittel bei Wahnideen, Psychosen und Halluzinationen, besonders wenn sie religiöser Art sind. Im Arzneimittelbild findet sich z. B. Fehleinschätzung der eigenen Identität, der Patient glaubt Christus oder jemand anderes zu sein, er unterhält sich mit abwesenden Personen, glaubt mit Gott in Verbindung zu stehen. Weiterhin finden sich Größenwahn, optische und akustische Halluzinationen. Erstarrung aber auch Manie mit wildem Fluchen. Der Patient glaubt krank zu sein, sterben zu müssen oder er nimmt Körperteile verzerrt wahr. Er meint, schwanger zu sein; läuft herum, singt und lacht, möchte jeden umarmen; aber auch Verzweiflung um das Seelenheil und religiöser Wahn. Heftige Manie wechselt ab mit Schweigsamkeit. Veratrum ist auch indiziert, wenn nach einem seelischen Trauma eine Psychose ausbricht und bei Wochenbettpsychosen.

Verdauungsorgane

Beschwerden der Verdauungsorgane, für die Veratrum album als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Der Patient leidet unter Erbrechen mit viel Übelkeit, die Beschwerden werden schlimmer bei der geringsten Bewegung. Erbrechen und Durchfall gleichzeitig (-> Pulsatilla). Reichlicher wässriger Durchfall mit Schwäche und kaltem Schweißausbruch. Beim Stuhlgang kalter Schweiß, Erschöpfung und Ohnmacht. Der Kranke leidet unter Mundtrockenheit, hat einen brennenden Durst und starkes Verlangen nach eiskalten Getränken, die aber sofort nach dem Trinken wieder erbrochen werden. Milch und Fleisch können die Beschwerden bessern.

Kopf

Kopfbeschwerden, für die Veratrum album als Heilmittel infrage kommt, haben typischerweise folgende Charakteristika:
Kalter Schweiß auf der Stirn bei allen Beschwerden. Heftiger zur Verzweiflung treibender Kopfschmerz, der durch Kälte gemildert wird. Der Patient kann das Gefühl haben, es liege ein Eiswürfel auf seinem Scheitel oder es blase ein kalter Wind durch den Kopf. Kopfschmerzen und Migräne mit Übelkeit und Erbrechen, auch Durchfall. Das Gesicht ist blass oder bläulich, spitz und eingefallen mit bläulichen Ringen um die Augen und es besteht eine Kollapsneigung.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Veratrum album:

Schwäche- und Kollapszustände verbunden mit Angst, Blässe, eingefallenen Gesichtszügen und kaltem Schweiß. Völlige Erschöpfung mit raschem Kräfteverfall, schneller kleiner Puls, starkes Herzklopfen. Postoperativer Schock . Ohnmachtsneigung, Schwindel und Kopfschmerzen. Kalter Schweiß begleitet fast alle Beschwerden. Das kälteste Mittel der Materia medica: kalter Schweiß auf der Stirn, eiskalte Haut, Gefühl als ob Eiswasser durch die Adern rinnt, kalter Atem, kalte Hände und Füße. Gefühl wie Stiche von Eisnadeln. Besserung durch Wärme. Trockene Schleimhäute mit brennendem Durst auf kalte Getränke trotz Unverträglichkeit. Erbrechen, Durchfall, Krämpfe und Muskelzuckungen. Folgen von Vergiftung mit Tabak, Alkohol, Lebensmitteln. Starkes Salzverlangen, Verlangen nach Obst trotz Unverträglichkeit. Wochenbettpsychose, psychotische und manische Zustände, religiöser Wahn. Manische Depression.

Modalitäten

(=alles was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert)
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, für die Veratrum album als Heilmittel infrage kommt:
Besserung der Beschwerden durch:
Ruhe, horizontale Lage, Wärme, Umhergehen, Essen.

Verschlechterung der Beschwerden durch:
geringste Bewegung, Anstrengung, kalte Getränke, feuchtes und kaltes Wetter, nach Schreck, vor, während und nach Stuhlgang.

Sonstiges

Veratrum album gehört zu Hahnemanns drei wichtigsten Arzneien bei Cholera (Camphora, Cuprum).
Während der Einnahme von Veratrum album sollte man auf frisches Obst verzichten.

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Kopfschmerzen - Veratrum album-Fall aus der Praxis

Frau P. schildert in der Sprechstunde ihre Beschwerden: Im letzten halben Jahr hätte sie fünf Mal unter heftigen Kopfschmerzanfällen zu leiden gehabt und jetzt habe sie Angst, dass die Kopfschmerzen chronisch werden könnten. Die Anfälle seien sehr plötzlich gekommen, der Schmerz sei drückend und besonders am Scheitel lokalisiert und sie hätte während der Anfälle entsetzlich gefroren, vor allem der Kopf habe sich eiskalt angefühlt, fast als hätte sie eine Kappe aus Eis auf dem Kopf. Begleitend verspüre sie dann starke Übelkeit und sie müsse dann mehrmals erbrechen. Nach dem Erbrechen fühle sie sich so schwach und wie gelähmt, dass sie sich kaum auf den Beinen halten könne und sich hinlegen muss. Die Stirn sei mit kaltem Schweiß bedeckt, trotzdem hätte sie Durst auf kaltes Wasser, aber sobald sie es trinke, müsse sie wieder erbrechen. Am nächsten Tag seien die Beschwerden dann ohne weitere Behandlung verschwunden. Hatten die Kopfschmerzen einen Auslöser? Nein, sie habe keine Ursache ausmachen können. Wie sei es mit dem Appetit, fragt der Homöopath. Seltsamerweise habe sie trotz der Übelkeit Hunger gehabt, sie hätte sich aber nicht getraut etwas zu essen. Daraufhin bekommt Frau P. das homöopathische Arzneimittel Veratrum album in einer LM-Potenz.

Begründung der Mittelwahl

Auffallend bei Frau P.s Beschwerden ist die begleitende Eiseskälte, die sie empfindet und trotz der Kälte das Verlangen nach kalten Getränken. Das Arzneimittel Arsenicum album ist ebenfalls eines der kältesten Arzneimittel der Materia medica und Verat. sehr ähnlich. Aber die Lokalisation der Schmerzen am Scheitel und die Kälte des Kopfes finden sich in dieser Kombination im Repertorium nicht bei Arsen. alb. und bestimmen somit Mittelwahl zugunsten von Verat.




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